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Es gibt eine boomende Nische


24/7-Smart-Stores

Nachdem 2016 mit Amazon Go in Seattle der erste kassenlose Supermarkt eröffnete, entstanden auch in Europa verschiedene Smart-Store-Konzepte – Teo von Tegut war 2020 einer der ersten hierzulande. Seither hat sich in Deutschland und Europa ein Smart-Store-Boom entwickelt. Ein Überblick.

Von Stephan Rüschen und Julia Schumacher 24.10.2023

© dpa/picture alliance/Lukas Barth

Kommt in die Tüte: Einkaufen im 24/7-Smart-Store ist bei Kunden angesagt - vor allem auf dem Land.

Neben vielen Newcomern wie Tante-M und Tante Enso testen auch die etablierten Händler wie Rewe, Aldi Nord und Aldi Süd, Edeka, Tegut, Lekkerland etc. verschiedenste Konzepte. Dadurch ist die Anzahl der in Deutschland und Europa identifizierten Smart-Store- Konzepte von 25 im Jahr 2021 auf mittlerweile 217 angestiegen. Sie weisen in der Regel folgende fünf Merkmale in unterschiedlichen Ausprägungen auf:

1. unbemannt

2. 24/7 geöffnet

3. bargeldlos

4. Identifizierung notwendig

5. tiny (kleine Verkaufsflächen)


 

Die Konzepte sind in der User Experience und der Funktionsweise so unterschiedlich, dass sie sich in die beiden Kategorien „Walk-in“ und „Automated Boxes“ mit insgesamt sechs Untergruppen einteilen lassen: Bei den Walk-ins können die Kunden den Verkaufsraum betreten und die Produkte eigenständig aus den Regalen nehmen.

WALK-IN

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  • Grab & Go: Eine Künstliche Intelligenz erfasst durch Bilderkennung und/oder Gewichtssensoren in den Regalböden die entnommene Ware und ordnet sie dem digitalen Warenkorb des jeweiligen Kunden zu. Beim Verlassen des Ladens wird der betroffene Betrag entweder über die in einer App hinterlegte Zahlungsmethode automatisch abgezogen oder aber an einer Check-out-Kasse angezeigt, sodass kein Scannen der Ware mehr nötig ist, sondern nur noch bezahlt werden muss.
     
  • Self-Check-out: Der Kunde muss während oder nach dem Einkauf die gewünschten Produkte über eine App auf dem Handy oder an einer Self-Check-out-Kasse eigenständig einscannen und sie bezahlen.
     
  • Hybride Lösungen: Bei hybriden Stores werden die Technologien des Self-Check-outs verwendet, um die Öffnungszeiten auszuweiten. Zu bestimmten Uhrzeiten werden die Stores aber auch mit Personal betrieben.

Automated Boxes

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Apo Svalley

Bei den Automated Boxes haben die Kunden in der Regel vor Kaufabschluss keinen direkten Zugriff auf die Produkte, sondern müssen diese entweder in einer App oder an einem Terminal auswählen.

  • Automatische Kommissionierung: Die in einer App oder am Terminal bestellten Produkte werden im rückwärtigen Lager durch eine Robotik kommissioniert und über ein Ausgabefach für den Kunden zugänglich gemacht. Dabei können vier unterschiedliche Techniken zum Einsatz kommen: Robotertechnologie (VPS Roberta), Vorschub-
    (Ximiti), Automaten- (Latebird) und roboterähnliche Technologien (Knapp, Smark).
     
  • Automaten-Grab-&-Go: Die gläsernen Kühlschränke sind mit Sensoren ausgestattet, die registrieren, welche Produkte entnommen werden. Sie lassen sich durch das Vorhalten einer Zahlungsmittels (Bankkarten, Mobile Payment oder Kunden-/ Gutscheinkarten) öffnen. Nachdem die Schranktür wieder geschlossen ist, werden die entnommenen Produkte der vorgezeigten Zahlungsmethode in Rechnung gestellt.
     
  • Automatenshop: Eine Reihe von traditionellen Vending-Automaten werden unter gleichem Branding verwendet, um ein erweitertes Sortiment abbilden zu können. Einige Automatenshops nutzen für die Bestellung einen Terminal, mit dem alle Automaten verbunden sind. An diesem können Kunden dann ihren gesamten Einkauf und die Bezahlung tätigen. Anschließend können sie an jedem Automaten die auszugebenden Produkte abholen.
     

Gründe für die Entstehung

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Die Gründe für die Entstehung solcher Stores sind vielfältig. Zum einen ist auch der Handel vom Fachkräftemangel – insbesondere auf der Fläche – betroffen. Viele Betreiber haben Probleme damit, genügend Personal zu finden, um ihre Geschäfte über lange Öffnungszeiten hinweg durchweg mit ausreichend Personal zu besetzen.

Dem gegenüber steht eine stetig wachsende Versorgungslücke mit Waren des täglichen Bedarfs auf dem Land (circa 8 000 unterversorgte Gebiete in Deutschland). Das Betreiben von Läden in peripheren Gebieten mit einem geringen Einzugsgebiet ist jedoch häufig nicht mehr wirtschaftlich. Einige Technologien, die für den Betrieb unbemannter Stores verwendet werden, sind sowohl Betreibern als auch Konsumenten seit längerer Zeit bekannt und werden nun miteinander kombiniert. Dazu zählen beispielsweise App-Registrierung, Mobile Payment, Self-Scanning/Kassen-Self-Check-out und Altersverifizierung. Die unbemannte Funktionsweise der Stores ermöglicht somit einen Betrieb an Standorten, an denen sich die Besetzung mit Personal nicht rentieren würde. Zudem kann dadurch die Ladenschließung vor allem an Sonn- und Feiertagen, aber auch nachts umgangen werden.

Entwicklungsstand Juli 2023

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In Deutschland existieren bisher sieben Grab-&-Go-Konzepte, von denen die meisten bislang allerdings nur in Teststores Anwendung finden. Lediglich Rewe Pick & Go kann insgesamt vier Stores in Köln (zwei Stores), Berlin und München vorweisen, von denen jedoch nur der Store in München ein reiner Grab-&-Go-Store ist. Die anderen Stores verwenden das Grab & Go als alternative Zahlungsmethode. Der polnische Einzelhändler Zabka betreibt zwei Stores in Deutschland, von denen einer auf dem Werksgelände von Tesla in Brandenburg steht. Ein Blick nach Europa zeigt, dass sich Grab & Go außerhalb Deutschlands mit Konzepten wie Zabka in Polen (mehr als 60 Stores) und Boxy in Frankreich (34 Stores) bereits im Roll-out befindet. Große Player wie Aldi Nord und Aldi Süd (NL, UK), Auchan (F), Morrisons (UK), Sainsbury (UK) und Tesco (UK) betreiben zumindest Teststores.

Auf dem Land aktiv erwünscht

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In Deutschland (und auch Europa) wesentlich weiter verbreitet ist der Self-Check-out, mit Konzepten wie Tante-M (44 Stores), Teo (30 Stores) oder Tante Enso (19 Stores). Diese befinden sich zu großen Teilen in ländlichen Gebieten, wo sie von den Gemeinden häufig aktiv erwünscht sind und mit finanzieller Unterstützung seitens der Landespolitik rechnen können. Neben diesen Newcomern sind auch Konzepte wie die Nahkauf Box (vier Stores) von Rewe oder die Smart Box von Edeka erwähnenswert, da bei Erfolg ein schneller Roll-out über die selbstständigen Rewe und Edeka-Einzelhändler möglich ist.

Viele Tests gibt es mittlerweile auch mit den verschiedenen Technologien der automatischen Kommissionierung. In Deutschland gibt es Stand Juli 2023 insgesamt zwölf Konzepte, die jedoch alle bisher nur einen Teststore betreiben. Lediglich Ximiti in Frankreich zeigt mit 36 Stores, dass auch mit dieser Technologie ein Roll-out möglich ist

Zehn Thesen zur weiteren Entwicklung
 

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  • Es gibt zahlreiche potenzielle Use Cases (Land, Tankstelle, Campus, Gewerbegebiet, Stadt …).
     
  • 24/7-SmartStores werden sich als Nische etablieren.
     
  • Genehmigungsverfahren, Logistik, Sortimentsfindung, Diebstahlprävention, User Experience (UX) sind nicht trivial.
     
  • Die Grab& Go-Technologie wird sich in den nächsten fünf Jahren in Deutschland noch nicht durchsetzen.
     
  • Die einfacheren Walkin/ SelfCheckout-Lösungen befinden sich bereits im Rollout (TanteM, Teo, Tante Enso). Das Interesse der Landespolitik und die Unterstützung der Kommunen für den ländlichen Raum sind groß.
     
  • Für die Stadt wird noch das zweckmäßige Konzept gesucht.
     
  • 24/7-Smart-Stores könnten für den selbstständige Einzelhändler eine sinnvolle Ergänzung sein.
     
  • Automated Boxes haben aufgrund der nicht existierenden Diebstahlgefahr ein Potenzial.
     
  • Das Automatengeschäft ist mit intelligenter Technologie (Smart Fridges) ebenfalls im Aufwind, zunächst aber vor allem im geschützten Raum (B2B).
     
  • In den nächsten zwei bis drei Jahren ist damit zu rechnen, dass noch eine Vielzahl an weiteren Playern auf den Markt kommt, danach ist aber mit einer Konsolidierung zu rechnen (weniger Betreiber, Konzepte und technologische Anbieter).

Schlagworte: Strategie, Digitalisierung, Point of Sale, Smarte Stores

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Author: Lindsey Coleman

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Name: Lindsey Coleman

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Job: Data Scientist

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